Paddock-Trail

Das Konzept des „Paddock Trails“ basiert auf den Beobachtungen des ehemaligen amerikanischen Hufschmieds Jaime Jackson an wildlebenden Pferden. Diese bewegen sich ganztags im langsamen Schritt über unterschiedliche Böden, was ein gesundes Hornwachstum und einen gleichmäßigen Abrieb des Hufs gewährleistet.  Er entwickelte daraus eine Haltungsform für domestizierte Pferde, deren Kernideen wir bei unserer Anlage übernommen haben. In der Wissenschaft wird davon ausgegangen, dass für jedes Pferd die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse essentiell ist. Diese sind:

Fressen
Pferde fressen unter natürlichen Bedingungen bis zu 16 Stunden täglich rohfaserreiche, energiearme Kost. Fresspausen von mehr als vier Stunden (rund um die Uhr) erschweren die Aufrechterhaltung der Darmflora und werden vermieden. 

Wasseraufnahme
Wasser wird regelmäßig, bei weiten Entfernungen z.T. nur jeden zweiten Tag aufgenommen.

Bewegung
Basierend auf dem Fressverhalten bewegen sich Pferde täglich bis 30 km und mehr im Schritt. Höhere Gangarten werden nur beim Spiel oder der Flucht eingesetzt.

Ruhen
Pferde besitzen keinen Tag-Nacht-Rhythmus. Sie ruhen verteilt meist in Einheiten von wenigen Minuten im Stehen (Dösen). Der lebenswichtige REM-Schlaf in Seitenlage mit geschlossenen Augen ist nur kurz und kann nur in Gesellschaft stattfinden.

Klimaverhältnisse
Pferde sind sog. Klimawiderständler, das bedeutet, dass alle Pferde gleich welcher Rasse im Freien gehalten werden können. Ein Schutz gegen zu starke Sonneneinstrahlung und Dauernässe ist ausreichend. Zu beachten ist das hohe Lichtbedürfnis, das Fellwechsel und Fruchtbarkeitszyklus steuert.

Sozialkontakt
Pferde leben von Natur aus in Herden- bzw. Familienverbänden, innerhalb derer die Tiere unterschiedliche Aufgaben inne haben. Gerade zum Schutz vor Fressfeinden ist die Gruppe durch Aufteilung von Wachdiensten überlebensnotwendig. Ältere Hengste leben in Junggesellenherden. Die Kommunikation ist sehr differenziert und bedarf der frühestmöglichen Sozialisierung.

Die Möglichkeit zur dauernden Futteraufnahme (bis zu 16 Stunden pro Tag), verbunden mit der langsamen Fortbewegung im Schritt, im sozialen Verbund einer Herde ist Voraussetzung für gesunde und ausgeglichene Pferde. Unserer Meinung nach kann dies mit dem Paddock Trail am besten umgesetzt werden.

Kern unserer Anlage ist der „Trail“, ein ca. 550 m langer, befestigter Rundweg. Er besteht zum Großteil aus Sand, aber auch Schotter, Hackschnitzel und Naturboden, um die Pferde auf unterschiedliche Untergründe vorzubereiten. Insgesamt steht ihnen dauerhaft eine Fläche von etwa 3500 m² zur Verfügung. Dazu kommen noch 2 ha Weideflächen.

Die Fütterung erfolgt einerseits über Fressständer und andererseits über auf dem Trail verteilte Stroh- und Heuraufen. Dadurch werden die Pferde zu vermehrter Bewegung angeregt. Um die Fresszeiten zu verlängern bedecken Netze das Raufutter. Genau wie die Lecksteine befindet sich auch die Wasserstelle entfernt vom Stall auf dem Trail. Diese ist beheizbar und erlaubt den Pferden, von stehendem Wasser in der richtigen Höhe zu trinken. Inmitten der Anlage befindet sich die 130 m² große Liegehalle. Für optimale Frischluftzufuhr sorgen hier Windschutznetze und eine offene Südseite. Eingestreut wird hier mit Grünkompost, da dieser von den Pferden nicht gefressen wird, und sie sich damit wirklich nur zum Ruhen einfinden. Raumteiler sorgen für ein entspanntes Liegeverhalten aller Pferde. Da es bei uns keinen geschlossenen Stall im herkömmlichen Sinne gibt, entscheiden unsere Pferde selbst, wo sie sich aufhalten wollen. Mehr Klimareize gehen nicht …

Bei uns lebt eine feste Gruppe von 12 Wallachen und Stuten, vom Fohlen bis zum älteren Pferd, gemeinsam auf dem Trail. Neue Pferde werden über eine Eingewöhnungsbox schrittweise in die Herde integriert. Unsere Hengste erleben ebenfalls die Sozialisierung in der Gruppe auf dem Trail, bevor sie dann mit etwa einem Jahr vor Erreichen der Geschlechtsreife ihren eigenen Offenstall beziehen.

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